Schatzkammer-Exponate

 
 
  Einführung
 
Das heute zur Austellung des Reichenauer Kirchenschatzes genutzte Raum diente ursprünglich als Sakristei zur Vorbereitung für den Gottesdienst sowie zur Aufbewahrung der dafür benötigten liturgischen Gerätschaften, Textilen und Bücher. Von dieser Funktion zeugen heute noch das in die Ostwand eingelassene Waschbecken sowie die beiden großen Schränke. Daneben diente der Anbau aber auch zur Aufbewahrung des Kirchenschatzes und der Archivalien der Abtei. Das steinerne Kreuzrippengewölbe machte den Ort relativ feuersicher. Zum Schutz vor Einbruch wurde die Tür aus starken Eichholzbrettern, welche noch aus der Erbauungszeit der Räumlichkeit 1453 stammt, mit mehreren Schlössern ausgestattet. Der um 1465/1470 erfolgten Ausmalung der beiden Lünetten an der Ostwand nach hatte die Sakristei auch eine repräsentative Funktion. Das linke Giebelfeld zeigt das Wappen des Erbauers, Friedrich von Wartenberg. Im rechten ist der Evangelist Markus in seiner Studierstube mit dem Wappen der Abtei Reichenau dargestellt.
 
Die Nummerierung entspricht denen in der Schatzkammer im Münster St. Maria und Markus
 
 
1 Romanisches Kreuz, sog. „Oberzeller Kreuz“
 unbekannter Meister, Linde, gefasst; 1120-1140 (?)
 
Kruzifix aus Oberzell
 
 
 2a. Markusschrein
 Der sog. Markusschrein birgt der Überlieferung nach einen Teil der Gebeine des Hl. Evangelisten Markus. Diese sollen einer klostereigenen Erzählung aus dem früheren 10. Jahrhundert zufolge im Jahr 830 durch Bischof Radolt von Verona auf die Reichenau verbracht worden sein. Das Grab des Heiligen befand sich im 1048 geweihten Markuschor im Westen der Abteikirche. Ein Schreinreliquiar kam dem Bedürfnis nach, die Reliquien mobil einzusetzen. Der wohl in Konstanz zu Beginn des 14. Jahrhunderts gefertigte hausförmige Schrein zeigt auf den Langseiten Szenen aus der Kindheit und Passion Christi. Auf den Dachflächen sind Medaillons mit den Vier Evangelisten, der Krönung Mariens sowie von Christus als Erlöser der Welt angebracht. Eine Stirnseite illustriert mit Bischof Ratolt und dem „Kesselfang“ eine Szene aus Herkunftsgeschichte der Reliquien. Auf der anderen Stirnseite sind König Albrecht I. von Österreich und seine Gattin Elisabeth dargestellt, welche 1303 an den Markusaltar eine Stiftung getätigt hatte. Der König nimmt die Zeichen seiner Herrschaft vom Heiligen in Empfang, was dessen aktuelles, hilfreiches Einwirken und damit die leibhaftige Existenz des Hl. Markus in Gesalt seiner Gebeine auf der Reichenau hervorhebt.
 
Markusschrein Christusseite
 
Markusschrein Marienseite
 
Markusschrein, während der Reinigung,
die linke Seite ist gereinigt, die rechte Seite ist noch ungereinigt
 
 
 2b Reichenauer Evangelistar
 Von dem bedeutenden Bestand an mittelalterlichen Handschriften der Abtei Reichenau zeugt heute nur noch ein einziges auf der Klosterinsel verbliebenes Exemplar. Dabei handelt es sich um ein Evangelistar, das alle jene Abschnitte aus den vier Evanglien enthält, die im Laufe eines Kirchenjahres in der Messfeier rezitiert werden. Der Text dürfte um die Mitte des 9. Jahrhunderts geschrieben worden sein. Bei eine Neubindung der Pergamenblätter im 15. Jahrhundert fügten die Reichenaue Mönche aus einem Codex des frühen 11. Jahrhunderts zwei bemalte Seiten sein. Von diesen zeigt eine die sog. Darstellung Jesu im Tempel von Jerusalem, das im jüdischen Ritus übliche Reinungsopfer der Mutter nach einer Geburt in Verbindung mit Weihe des Erstgebornen an Gott. Auf der linken Seite des Altares befinden sich Maria und Joseph, rechts davon der greise Simeon und die Prophetin Hanna. Nach dem Lukasevangelium erkannte Simeon im Kind den verhießenen Messias und pries ihn mit einem Lobgesang.

 Einband des Reichenauer Evangelistars
 In der Liturgie verwendete Bücher wurden oft mit kostbaren Einbänden ausgestattet. So erhielt auch das Reichenauer Evangelistar im frühen 15. Jahrhundert eine neue Umhüllung. Vorder- und Rückseite sind gleich angelegt. Den Grund bildet ein Silberblech mit Gittermuster, das von einem Profil mit Ast- und Blattwerk sowie Löwenköpfen in den Ecken eingefaßt wird. Feine Stäbe teilen den Grund in vier rechteckige Felder. Das Zentrum der Vorderseite nimmt ein großes Rundmedaillon mit dem Symboltier des Hl. Markus in Gestalt des geflügelten Löwen ein. Die kleineren eckseitigen Reliefs stellen oben links das Lamm Gottes sowie die Symbole der anderen drei Evangeliten dar: oben rechts den Engel des Hl. Matthäus, unten links den Stier des Hl. Lukas und unten rechts den Adler des Hl. Johannes dar. Das zentrale Medaillon auf der Rückseite zeigt Christus als Schmerzensmann vor dem Kreuz sowie zwei Engel mit dem Grabtuch, der Dornenkrone und der Lanze. Auf den eckseitigen Medaillons sind wiederum die Symbole der Vier Evangelisten zu sehen.
 
 
Einband des Markusevangeliars
 
Medaillon aus dem Einband des Markusevangeliars
 
 
 2c. Gefasster Zahn des Heiligen Markus
 unbekannter Meister; Silber; Gold; Emaille; Fassung 1723
 
 
 3. Johannes-und-Paulus-Schrein
 Beim Johannes-und-Paulus-Schrein handelt es sich um das älteste der vier Reichenauer Reliquiare in Schreinform. Es stammt aus der Zeit um 1300. Das Behältnis aus Eichenholz ist mit vergoldetem Kupferblech sowie Reliefs und Bändern aus Silberblech beschlagen. Auf den Längsseiten sind je sechs runde Bildreliefs angebracht: Sie zeigen auf der einen Seite Szenen der Passion Christi: links die Geißelung und die Kreuztragung, rechts die Auferstehung von Christus und seine Begegnung mit Maria Magdalena. Die beiden mittigen Rautenfelder stellen die Kreuzigung Christi und seine Himmelfahrt dar. Auf der anderen Seite umgeben Medaillons mit den vier Evangelisten zwei Rautenfelder mit Darstellungen der Madonna und von Christus als Weltenherrscher. Goldene Zwickelflächen mit Gravuren, Steinbesatz und Emails ergänzen den Schmuck. Auf den kreuzbekrönten Giebelseiten sind die Apostel Petrus und Paulus sowie die frühchristlichen Märtyrerbrüder Paulus und Johannes von Rom zu sehen. Letztere wurden schon um das Jahr 1000 auf der Reichenau verehrt.
 
Reliquienschrein der Hl. Johannes und Paulus
 
 
 4 Schrein des heiligen Januarius
 Unbekannt; Holz; Kupfer, getrieben, teilweise vergoldet, versilbert, verzinnt; Bronze, gegossen, vergoldet; Mitte 15. Jh.
 
Reliquienschrein des Hl. Januarius
 
 
 5 Glasmalerei, ehem. Chorglasfenster
 Reichenau; Bartholomäus Lüscher von Bern; Glas; Blei; 1556
 
Teil eines der ehemaligen Chorfenster
 
 
 6a Romanischer Weihwasserkessel – Kopie
 Bronze, gegossen; Original 12. Jh., im Besitz des Hauses Hohenzollern
 
 6b Oberzeller Kästchen
 Zum Kirchenschatz von Reichenau-Mittelzell gehört seit dem 19. Jahrhundert auch ein kleines Kästchenreliquiar aus dem 12. Jahrhundert. Es stammt aus St. Georg in Reichenau-Oberzell. Das Behältnis ist mit einem Satteldach hausförmig gestaltet und weist auf einer Längs- und einer Giebelseite architekturartige Bogenfelder aus vergoldeter Filigranarbeit mit Brustbildern nimbierter Heiliger auf. Alle Figuren sind als Relief aus Silberblech getrieben und vergoldet. Die Ecken der Felder zieren rote Granate und blaue Saphire. Ehemals war noch ein großer Schmuckstein auf dem Dachfirst angebracht. Drei der Heiligen auf der Dachfläche sind als Priester bzw. Bischöfe charakterisiert. So ist die linke Figur mit eine Stola versehen, die beiden mittleren sind mit dem bischöflichen Pallium ausgezeichnet, der rechte davon trägt zudem eine Mitra. Die Dargestellten repräsentieren wohl in allgemeiner Form die ehemals im Behältnis verwahrten Körperreliquien, über die immerhin noch ein Verzeichnis existiert.
 
Reliquiar aus Oberzell_Schmalseite rechts
Reliquiar aus Oberzell Vorderseite
 
 
 
  7 Elfenbeinpyxis
 Die auf einem Ständer montierte und aus Elfenbein gearbeitete Pyxis zeigt auf der Vordseite den lehrenden Christus mit Kreuzszepter vor huldigenden Aposteln. Auf der Rückseite der Dose ist Christus bei der Heilung von zwei Blinden dargestellt. Der Gestaltung nach gehört das elfenbeinerne Gefäß der frühbyzantinischen Kunst des 6. Jahrhunderts an. Im frühen 13. Jahrhundert wurde die Dose zu Herstellung eines sog. Ciboriums zweitverwendet. Dabei handelt es sich um ein liturgisches Gefäß, das zur Aufbwahrung der konsekrierten Hostien dient, dem nach christlichem Verständnis bei der Hl. Messe in den Leib Christi gewandelten Brot. Für ihren neuen Zweck versah man die Büchse mit einem vergoldeten Ständer aus Kupfer und einem verschließbaren, kreuzbekrönten Deckel aus dem gleichen Material. Das Innere kleidete man mit einer vergoldeten Schale aus. Doch auch die Schnitzerei erfuhr erhebliche Veränderungen. So wurden nahezu alle Köpfe und Gewänder der Figuren im Zeitstil überarbeitet sowie ihre Physiognomien individualisiert.
 
Elfenbeinpyxis
 
 
 8 Stab der Krümme des Reichenauer Abtes Eberhard von Brandis
 Die vier unterschiedlich langen, zylindrischen Holzsegmente sind abschnittsweise mit hauchdünnen Silberbändern spiralig umwickelt. Sie lassen sich mittels Gewinden zu einem Stab zusammenschrauben. Vormals zugehörig war ein weiteres reich ornamentiertes Aufsatzstück aus getriebenem und teilweise vergoldeten Silber mit figürlichem Schmuck, das in einer eingerollten Spitze endet. Stäbe mit solch gekrümmten Oberteilen werden auch als Krümme bezeichnet. Sie gehören zu den Amtsinsignien eines Bischofes oder Abtes. Die Zerlegbarkeit einer Krümme war bei Reisen von praktischem Vorteil. Das ursprünglich zugehörige, heute im Victoria & Albert Museum in London befindliche Aufsatzstück weist eine Inschrift auf. Sie besagt, daß der Stab im Jahr 1351 zur Zeit des Reichenauer Abtes Eberhard von Brandis und des Schatzmeisters Nicolaus von Gutenburg angefertigt wurde. Eberhard, der seit 1328 als Reichenauer Mönch nachweisbar ist, wurde ein Jahr nach seiner Wahl zum Abt 1343 in Avignon vom Papst bestätigt. Seine Grabplatte ist im Münster erhalten.
 
Stab der Krümme des Reichenauer Abtes Eberhard von Brandis
 
 
 
 9. Sog. „Krug von Kana“
 Beim Reichenauer Kana-Krug handelt es sich um einen spätantiken griechischen Stamnos , einem Gefäß zum Mischen von Wasser und Wein, in einer Montierung aus spätmittelalterlicher Zeit. Die Geschichte vom Weinwunder zu Kana, welche davon handelt, wie Jesus von Nazareth als Gast einer Hochzeitsfeier Wasser in Wein verwandelt, wird im Evangelium des Johannes berichtet. Im Mittelalter existierten über ganz Europa verstreut mehrere angebliche Kana-Krüge. Das Reichenauer Exemplar zählt zu den bestdokumentierten frühen Stücken. Es soll um das Jahr 900 durch Abt Hatto, der auch Erzbischof von Mainz war, auf die Klosterinsel gelangt sein. Zur Präsentation der Reliquie schuf man zu Beginn des 14. Jahrhunderts im Chorraum der Abteikirche die noch erhaltene, reich bemalte Nische, auf der oben auch den Krug dargestellt ist. Das durch einen Sturz zerbrochene Gefäß wurde im späten 15. Jahrhundert in der unteren Hälfte mit einer Einfassung sowie mit einem Fuß und einer Mündungslippe aus vergoldetem Kupfer versehen, um die ursprüngliche Gestalt des Stückes wiederherzustellen.
 
Krug der "Hochzeit zu Kanaa"
 
 
 
 10 Genesius, Felix und Regula-Schrein
Beim sog. Genesiusschrein mit Reliquien der Heiligen Genesius, Felix und Regula, Marcellus Exuperantus sowie weiteren Heiligen handelt es sich um eine spätgotische Arbeit aus Konstanz der Zeit um 1480. Das großteils vergoldete Gehäuse ist aus getriebenen Kupferplatten über einem Holzkern und gegossenen Metallelmenten gefertigt. Der hausförmige Schrein mit gewalmtem Dach wird von vier Engeln mit Leuchtern getragen. An den mit gefärbten Glassteinen gezierten Schreinwänden sind ringsrum acht Medaillons mit Profilrahmungen eingelassen. Die Reliefs stellen die Vier Evangelisten mir ihren Symbolwesen sowie die vier Kirchenväter dar. An den Ecken des Daches sitzen vier Drachen. Den Dachfirst ziert ein Kamm aus Kreuzblumen mit gestifteten Glaskugeln an den Giebeln. Die lateinischen Inschriften auf den Dachflächen bezeichnen den Inhalt. Das Reliquiar gehörte zur Reichenauer Probstei St. Genesius im nahegelegenen Ort Schienen. Es gelangte Anfang des 16. Jahrhunderts auf die Klosterinsel und wurde dort in Folge dem Kirchenschatz einverleibt.
 
Reliquienschrein des Felix und der Regula
 
 
 
 11 Fortunata-Schrein
 Der Schrein birgt Gebeine der Hl. Fortunata, die mit ihren Brüdern Carponius, Evaristus und Priscianus Opfer der römischen Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian geworden sein soll. Einer Reichenauer Handschrift des 10. Jahrhundert zufolge, seien die in Süditalien aufgefundenen und entführten Reliquien dieser Heiligen im Jahr 874 durch einen schwäbischen Vasallen Kaiser Ludwigs II. auf die Klosterinsel gelangt. Bei dem hausförmigen Schrein handelt es sich um die Arbeit eines Konstanzer Goldschmiedes der Zeit um 1470. Sie weit mit ihrem reichem Maßwerk, den Strebepfeilern sowie den bekrönenden Fialen typische Formen der Spätgotik auf. Auf den Längsseiten sind die Zwölf Apostel dargestellt. Die Stirnseiten zeigen das Martyrium der Hl. Fortunata: den misslungenen Versuch, ihr das Haupt zu zersägen, sowie ihre Enthauptung zusammen mit den Brüdern. Beide Reliefs sind deutlich älter als der Schrein und stammen offenbar von einem älteren Vorgängerexemplar aus dem frühen 14. Jahrhundert.
 
Reliquienschrein der Hl. Fortunata
 
 
12 Vortragekreuz
Corpus: Silber, auf Model geprägt, vergoldet;
Mitte 12. Jh.; Kreuz: Jakob Wietzinger (?); Holz; Kupfer, vergoldet, versilbert; Messing; um 1410
 
 
13 Prassberg-Monstranz
 Augsburg; Georg Reischle (Reischli) (Meister 1654-1700); Silber, getrieben, gegossen,graviert, vergoldet; Kupfer, getrieben, vergoldet; Emaillemalerei; 1680
 
Prasberg Monstranz
 
 
 
 14 Sog. „Smaragd“
 Obgleich es sich nur um einen grün gefärbten Glasfuss handelt, erlangte dieser einige Berühmtheit, hielt man ihn doch lange Zeit für einen der größten Smaragden Europas . So zählte der sog. Reichenauer Smaragd zu den besonderen Sehenswürdigkeiten des Inselklosters. Mit seiner Bekanntheit trug er nicht nur zum Ansehen der Abtei bei, sondern stellte auch eine besonder Attraktion für Besucher dar. In der Sakristei zusammen mit dem Kirchenschatz aufbewahrt, scheint der „Smaragd“ seit dem 15. Jahrhundert vom Status her den wichtigsten Reichenauer Reliquien nahezu gleichgestellt gewesen zu sein. Seine separate Verwahrung und Präsentation in dem noch erhaltenen Wandtresor erfolgte erst ab ca. 1600. Aufgrund seiner Größe schrieb man dem „Smaragd“ einen außerordentlich hohen materiellen Wert zu. Erst in den 1760er Jahren setzt sich die Erkenntnis seiner tatsächlichen Beschaffenheit durch, was der weiteren Bekanntheit des Stückes jedoch keinen Abbruch tat.
 
"Smaragd"
 
 
 
 15 Sammelvitrine von Kopf- und Armreliquiaren - sog. sprechende Reliquiare v. l. n. r.
 Ein sogenanntes Redendes Reliquiar gibt über seine Form Auskunft zum Inhalt, so enthalten Behältnisse in Gestalt eines Armes typischerweise Armreliquien. In der Schatzkammer des Münsters Mittelzell gibt vier dieser Sorte. Das älteste mit einer Armreliquie des Hl. Bartholomäus wurde um 1400 hergestellt und zeigt unten gotische Architekturformen. Der Holzsockel kam in der Barockzeit hinzu, wie auch bei den anderen Stücken. Den Blick auf den Inhalt ermöglichen drei offene Rauten im Flächenmuster. Zwei weitere, übereinstimmend gearbeitete Armreliquiare spätgotischer Art wurden 1458 durch einem Überlinger Goldschmied hergestellt. Sie enthielten Reliquien des Märtyrers Marianus und des Konstanzer Stadtpatrons Pelagius und weisen hohe, ehemals verglaste Sichtfenster auf. Das vierte Exemplar mit einem Armstück des Heiligen Emmeram von Regensburg wurde um 1600 in Konstanz gefertigt. Es hat einen Silberfuß, das Sichtfenster ist länger als bei den älteren Stücken.
 
 a,b Arm-Reliquiar der heiligen Marianus und Pelagius; Überlingen oder Konstanz; Meister (Konrad?)
Jakob (gest. 1469), 1458
 
 Büstenreliquiar
Wie die Behältnisse in Armform gehört auch das Büstenreliquiar des Hl. Bartholomäus zur Gruppe der sog. Redenden Reliquiare, enthielt es doch ursprünglich eine Schädelreliquie dieses Heiligen. Seine Verehrung auf der Reichenau geht bis in das 10. Jahrhundert zurück. So berichtet ein Lobgedicht auf den Abt Witigowo, dass dieser in den Jahren 992/993 dem Apostel Bartholomäus eine eigene Kultstätte gegenüber der Vorhalle des Münsters einrichten ließ. Mit reichen Locken und Vollbart blickt das ebenmäßig geformte, hoheitsvolle Haupt die Betrachterinnen und Betrachter frontal an. Dies ermöglicht eine unmittelbare Begegnung zwischen dem Heiligen und den Gläubigen. Ältester Bestandteil ist der zu Beginn des 14. Jahrhunderts gefertigte Kopf aus getriebenem und vergoldetem Silber. Bei der Schulterpartie mit einem geschliffenen, querovalen Achat, der Krone und dem Strahlenkranz handelt es sich um Zutaten aus dem frühen 18. Jahrhundert. Der Unterbau mit Vierpassfriesen und Eckpostamenten wiederum stammt aus dem 19. Jahrhundert.
 
 c Kopf-Reliquiar des heiligen Apostels Bartholomäus;
 
 Silber, getrieben, punziert, graviert, vergoldet; Kupfer, getrieben, vergoldet; Anfang 14. Jh., barocke Ergänzungen 18. Jh., Unterbau um 1900
 
Armreliquiare,  Ein sogenanntes Redendes Reliquiar gibt über seine Form Auskunft zum Inhalt, so enthalten Behältnisse in Gestalt eines Armes typischerweise Armreliquien. In der Schatzkammer des Münsters Mittelzell gibt vier dieser Sorte. Das älteste mit einer Armreliquie des Hl. Bartholomäus wurde um 1400 hergestellt und zeigt unten gotische Architekturformen. Der Holzsockel kam in der Barockzeit hinzu, wie auch bei den anderen Stücken. Den Blick auf den Inhalt ermöglichen drei offene Rauten im Flächenmuster. Zwei weitere, übereinstimmend gearbeitete Armreliquiare spätgotischer Art wurden 1458 durch einem Überlinger Goldschmied hergestellt. Sie enthielten Reliquien des Märtyrers Marianus und des Konstanzer Stadtpatrons Pelagius und weisen hohe, ehemals verglaste Sichtfenster auf. Das vierte Exemplar mit einem Armstück des Heiligen Emmeram von Regensburg wurde um 1600 in Konstanz gefertigt. Es hat einen Silberfuß, das Sichtfenster ist länger als bei den älteren Stücken.
 
 d Arm-Reliquiar des heiligen Apostels Bartholomäus;
Silber, getrieben; Kupfer, getrieben, vergoldet; Holz; Ende 14./ Anfang 15. Jh.
 
 e Arm-Reliquiar des Heiligen Emmeram
Konstanz(?), Jacob Zeller(?) (Meister 1577-1611); Silber, getrieben, gegossen, punziert; Messing;
1600
 
 16 Weitere Kleingeräte:
Messkelche- und Garnituren,
Monstranzen, Rauchfässer und Bücher sind im
Rahmen einer Führung in diesem Schrank zu
bestaunen.
 
 
  Spätgotischer Sakristeischrank
 Von den beiden in der heutigen Schatzkammer befindlichen großen Schränken gehört der ältere mit den geschmiedeten Türbändern zur ursprünglichen Ausstattung des Raumes. Der Schrank ist 1454 unter Abt Johann von Hynwil angeschafft worden. Das schlichte, zweitürige Möbel ist frontseitig aus vier grob geglätteten Bohlen zusammengefügt. Sechs eiserne Türbänder umklammern den Korpus. Am rechten Türblatt sind zwei gotische Kastenschlösser mit Riegel angebracht. Die vertieften Felder sind mit Handgriffen versehen. Der Schrank diente über lange Zeit zur sicheren Aufbewahrung des gesamten Kirchenschatzes. Alle Reliquienschreine, die Armreliquiare und das Kopfreliquiar, der Krug von Kana, der Reichenauer Smaragd und viele weitere Kostbarkeiten waren darin untergebracht. Zugleich diente das Möbel aber auch zur eindrucksvollen Präsentation seines Inhaltes. So war es schon im späten 15. Jahrhundert touristischen Besucherinnen und Besuchern der Reichenau möglich, den Kirchenschatz unter Begleitung eines Mönches zu besichtigen.
 
 
Spätgotischer Sakristeischrank
 
 
 Texte wurden u.a. erstellt von: PD Dr. Sebestian Bock, Erzbistum Freiburg
 
Weiter Bilder werden im Laufe der nächsten Tage eingestellt, bleiben sie dran...